Beiersdorf verdient wegen Konzernumbaus weniger

HAMBURG (dpa-AFX) - Die Sanierung des Pflege- und Kosmetikgeschäfts hat den Nivea-Hersteller Beiersdorf im vergangenen Jahr stark belastet. Unter dem Strich stand wegen der Neuausrichtung des schwächelnden Stammgeschäfts ein Gewinn von rund 308 Millionen Euro und damit fast ein Fünftel weniger als 2009. Die im Dezember angekündigte Sanierung des Stammgeschäfts belastete das Ergebnis mit rund 100 Millionen Euro. Der seit 2005 amtierende Vorstandschef Thomas Quaas ist mit dem Stammgeschäft nicht zufrieden und kündigte deshalb im Dezember an, hart durchzugreifen.

Beiersdorf
Beiersdorf Zentrale (Photo Beiersdorf)


Der Manager will sich von nicht gut laufenden Marken trennen und ganz auf die Angebote konzentrieren, die gute Geschäfte versprechen. Dazu zählen unter anderem Cremes, Deodorants, Duschgel oder Sonnenmilch. Schwache Umsatzbringer werden dagegen aussortiert. So wird sich Beiersdorf in Deutschland aus dem Geschäft mit der dekorativen Kosmetik verabschieden. In anderen Ländern obliegt es den Leitern der jeweiligen Tochtergesellschaften, inwieweit sie noch Lippenstifte oder Make-up der Marke Nivea im Handel behalten.

Der Hamburger Konzern, der besonders durch seine Stammmarke Nivea bekannt ist, kämpft vor allem in seinem Heimatmarkt Deutschland mit einem starken Wettbewerb - dieser kommt nicht nur von Konkurrenten wie L'Oreal , Procter & Gamble (Pantene, Wella, Gillette), Unilever (Dove, Axe) oder Henkel (Fa, Schwarzkopf). Druck kommt zunehmend auch durch den hiesigen Einzelhandel, der mehr und mehr die Regale mit günstigen Eigenmarken bestückt.

Im vergangenen Jahr profitierte Beiersdorf von einer deutlichen Erholung in der vergleichsweise kleinen Klebersparte Tesa, die den Hamburger Konzern in der Finanzkrise noch stark belastet hatte. Hier legte der Erlös 2010 um 18 Prozent auf 872 Millionen Euro zu - damit kehrte die Sparte auf Vorkrisenniveau zurück. Konzernweit lag das Umsatzplus bei knapp acht Prozent auf 6,19 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Sonderkosten legte um 19 Prozent auf rund 697 Millionen Euro zu.


Mit den am Morgen veröffentlichten operativen Kennziffern lag das im Dax notierte Unternehmen bei beiden Werten leicht über der Prognose der von dpa-AFX befragten Experten. Am Aktienmarkt wurden die Nachrichten dennoch mit Ernüchterung aufgenommen. Das Papier verlor weiter an Boden. Seit der Gewinnwarnung im Dezember sank der Börsenwert des Unternehmens um rund zehn Prozent. Damit gehörte der Titel zu den schwächsten Werten im deutschen Leitindex.

WestLB-Analyst Michael Gorny sieht bei den aktuellen Kursen die Chance auf langfristige Gewinne. Er stufte die Aktie von "Neutral" auf "Add" hoch. Die aktuellen Zahlen dürften den Kurs kaum stützen, aber Beiersdorf sei eine lukrative Langfristanlage. Darauf setzt auch Großaktionär Maxingvest. Die Holding der Familie Herz bekräftigte zuletzt immer wieder, die Mehrheit an dem Konsumgüterhersteller, dessen Börsenwert nach der jüngsten Kursschwäche in Richtung der Marke von zehn Milliarden Euro gesunken ist, nicht abgeben zu wollen.

Zuletzt hatte es immer wieder Spekulationen gegeben, dass sich Procter & Gamble wieder für das Hamburger Unternehmen und dabei vor allem die Marke Nivea interessieren könnte. Die Amerikaner waren bereits 2003 interessiert gewesen, als der Versicherungskonzern Allianz seinen Anteil verkauft hatte. Damals hatte das Konsortium um Tchibo und die Stadt Hamburg dafür gesorgt, dass der Konzern nicht übernommen werden konnte.

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