Steilmann wächst nach Fast-Aus mit eigener Mode

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Bergkamen (dpa) - Fast fünf Jahrzehnte hat Textilunternehmer Klaus Steilmann für die Großen im Geschäft wie Kaufhaus- und Einzelhandelsketten genäht. 2006 kam für seine Wattenscheider Firma fast das Aus und die Übernahme durch die Miro-Radici-Gruppe. Unter dem neuen Dach startet Steilmann wieder durch - mit eigener Marke unter eigenem Namen. Erfahrung hatten die Steilmänner damit schon nach der Wende mit dem Einstieg im Osten gesammelt, unter anderem in Russland.

In rasantem Tempo hat Steilmann mit Hilfe der italienischstämmigen Muttergesellschaft, zu der etwa die Damenoberbekleidungsmarke Kapalua gehört, jetzt auch in Deutschland Shops aufgebaut. In zwei Jahren sind es mehr als 200 geworden, so viele wie im Ausland. Meist zieht der Modemacher bei Einzelhändlern ein und bietet auf 30 bis 50 Quadratmetern Oberbekleidung für die Frau ab 35 an. Nichts Altbackenes, sondern frische Mode mit guter Qualität zum mittleren Preis.

Firmenpatriarch Klaus Steilmann hat die Planungen noch miterlebt. Kurz nach dem Start starb der Firmengründer und Sportmäzen dann 2009 im Alter von 80 Jahren. Allerdings war er schon lange vor der Übernahme durch Radici aus der Geschäftsführung ausgeschieden. Auch seine Tochter Britta Steilmann, die als vielseitige Unternehmerin bundesweit bekannt wurde, hatte zuvor an der Firmenspitze gestanden.

Der erste Test mit acht Shops in Adler-Filialen gelang. Zwei Jahre später waren mehr als 200 Standorte aufgebaut. In den meisten Adler-Filialen, bei Boecker und bei vielen kleineren Einzelhändlern hat Steilmann inzwischen seine Ecke. Dazu gibt es eigene Shops, zum Beispiel in Berlin am Alexanderplatz. Im Ausland ist Steilmann dagegen öfter in eigenen Läden anzutreffen. Das Hauptgeschäft liegt in Europa, allen voran in Skandinavien, Rumänien, Tschechien und Russland - 26 Länder sind es insgesamt.

Wie in früheren Jahrzehnten produziert Steilmann auch weiter für die großen Einzelhändler, darunter die Kaufhäuser, Metro oder C&A. «Der Umfang ist allerdings deutlich zurückgegangen», sagt Geschäftsführer Michael Schnaase, der sein halbes Leben bei Steilmann zugebracht hat. Die Kunden kaufen heute verstärkt in Asien ein. Steilmann produziert fast schon in der Nähe, in Rumänien oder der Türkei. Alles gewachsene Standorte und dazu eigene. Es wird zwar auch Ware in China geordert. Steilmann muss aber nicht mit jedem Cent kalkulieren wie beispielsweise die Discounter.

Die Vergangenheit ist abgeschüttelt. Steilmann hat die zu große und unrentable Zentrale in Wattenscheid verlassen. Seit rund einem Jahr sitzt die Radici-Tochter bei der Mutter am Standort Bergkamen. Am Jahresende erwartet Schnaase eine schwarze Null in der Bilanz. Über Anlaufverluste will er dagegen nicht sprechen. «Wir sind zufrieden», sagte er vor der Präsentation der Herbst-/Winterkollektion 2012 vor in- und ausländischen Kunden.

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