Interview : Andrea Karg vor ihrer modischen Paris-Premiere


Andrea Krach.
Paris (dpa) - Besonders aufgeregt wirkt Andrea Karg vor ihrer Paris-Premiere nicht. Die deutsche Designerin hat mit ihrer Kaschmir-Marke Allude das geschafft, wovon die meisten nur träumen können: Sie steht auf dem offiziellen Kalender der Pariser Prêt-à-Porter-Schauen der Damenkollektionen, der großen Kür der Kleiderwelt. Seit Dienstag laufen in der französischen Hauptstadt die Präsentationen der Entwürfe für Herbst/Winter 2012/13. «La Belle Andrea» - die schöne Andrea - wie eine französische Zeitschrift die 49-jährige Münchnerin nannte, ist mit ihrer Kollektion am Abschlusstag (7.3.) dran.

Sie haben Ihre Entwürfe erfolgreich bei der Berliner Fashion Week gezeigt. Wie gestaltet sich so ein Wechsel nach Paris?

Karg: «Ich würde da auf ein ganz einfaches Bild zurückgreifen. Es ist wirklich wie mit einem Apfel. Wenn er reift, fällt er runter. Bei Allude war es ein Prozess, der über Jahre lief. Die Marke gibt es nun seit fast 20 Jahren. Und sie hat immer weiter kleine Schritte nach vorne gemacht. Als wir begannen, Strick auf dem Laufsteg zu präsentieren, sagten viele: "Das geht doch gar nicht - Strick auf dem Laufsteg." Aber dann funktionierte es doch. So ging es immer weiter voran bis nun zu diesem Schritt nach Paris. Hinzu kommt: Wir sind in Frankreich keine Unbekannten. Wir sind dort in guten Geschäften wie "Le Bon Marché" vertreten. Dort haben wir guten Zuspruch. Das hilft natürlich sehr.»

Werden Sie in Frankreich anders wahrgenommen als in Deutschland?

Karg: «Ja. In Frankreich hat man sowieso als Kreativer einen anderen Stellenwert. In Deutschland kennt man uns schon sehr lange, und da sieht man eventuell nicht so ganz die modische Entwicklung, die wir gemacht haben. Einfach weil man doch immer ein bestimmtes Bild einer Marke im Kopf hat. In Frankreich ist das etwas anders. Da werden wir mehr als "Fashion Label" denn als Strickmarke gesehen. Die neuere Entwicklung wird dort in der Wahrnehmung in den Vordergrund gestellt.»

Haben Deutsche es schwerer in Paris?

Karg: «Nein. Überhaupt nicht. Es zählen das Produkt und die Leistung. Selbst wenn ein französischer Designer eventuell am Anfang eine Art Solidaritätsbonus hätte, würde das am Ende nichts nützen. In Frankreich wird genau hingeschaut, was man macht. Zudem assoziiert man Deutsche auch mit vielen positiven Werten. Aber natürlich darf man so einen Markt nicht ohne Vorarbeit betreten. Man muss sich vorher wirklich damit auseinandersetzen. Wir haben zum Beispiel den gleichen Stylisten wie Hermès. Auch die Agentur, die uns vertritt, ist in Paris sehr bekannt.»

Wie bekommt man die internationale Presse in die Schau?

Karg: «Die französische Presse kennt uns. Wir haben klein angefangen, sind aber dort jetzt recht eingeführt. Und einige werden auch schlicht deswegen kommen, weil wir auf dem Kalender stehen. Aber natürlich wird jemand wie Suzy Menkes (die berühmte Kritikerin der «International Herald Tribune») nicht kommen. Da muss man einfach realistisch bleiben.»

Interview: Stefanie Schütte, dpa