Einblicke in die chinesischen Märkte: „Im Vordergrund steht die Frage des Vertriebs“

Raffaello Napoleone, CEO von Pitti Immagine liefert uns anlässlich seines Besuchs in Peking seine Analyse der Märkte und Messen in China.


Raffaello Napoleone

FashionMag.Com: Die Chic feiert ihren 20. Geburtstag. Wie sehen Sie die Messe?
Raffaello Napoleone: Die Chic ist ein wichtiges Event in China, das Besucher aus der ganzen Welt anzieht. Ich bin nun bereits die dritte Saison in Folge hier (mit der Chic Young Blood, der im September 2011 eingeführten Young Fashion-Messe, Anm. d. R.). Im Vordergrund steht die Frage des Vertriebs in China. Für die westlichen Marken beschränkt sich dieser in erster Linie auf Single Brand- und einige Department Stores. Es gibt auch einige Multi Brands, die wir durch ihre Präsenz in Florenz wahrnehmen. Und auf der Ebene der chinesischen Verbraucher ist die Marke ein Garant für einen bestimmten Stil und Qualität.


FM: Ergibt eine Messe in Peking denn heute überhaupt Sinn?
RN: China ist heute unumgänglich. Aber noch vor der Teilnahme an der Messe muss man sein Netzwerk nutzen: Wie viele professionelle Käufer sind an der Chic anwesend? Für mich ist die Chic immer noch eine „Shopping Bag“-Messe, die weiterentwickelt werden muss. Das kann jedoch sehr schnell gehen und das Potenzial ist da. Bei der Intertextile beispielsweise, spielt mehr Professionalismus mit. Hier geht es um die Industrie. Die Chinesen erhalten ihre Stoffe jedoch schon seit langer Zeit von ihren europäischen oder amerikanischen Auftraggebern. Auf eine gewisse Weise haben sie die Erfahrung also schon.

FM: Spüren Sie das Aufkommen eines Multi Brand-Vertriebs von Produkten mittlerer bis hoher Qualität?

RN: Ja. Das kann schnell gehen. Die europäische Kreativität muss jedoch hochwertiger präsentiert werden. Auch das Vertriebssystem muss weiterentwickelt werden. An der Pitti Uomo begrüßen wir jeweils über 500 chinesische Einkäufer, gewisse Einzelhändler und Gruppen, die auch im Retail tätig sind. Der Wandel im Vertrieb ist für mich unumgänglich. Betrachtet man den menschlichen Aspekt der Geschäfte, so wird immer dann ein Manager seine Chance ergreifen wollen, wenn es eine Möglichkeit gibt, Geld zu verdienen. Dann muss sich auch die Verbraucherkultur weiterentwickeln. Heute wollen die Konsumenten auch Marken kaufen. In ein paar Jahren werden sie beispielsweise Accessoires oder Taschen mit Blick auf den Stoff und das Design aussuchen.


FM: Aber Sie haben immer noch kein Pitti-Projekt in China in Aussicht?
RN: Zurzeit konzentrieren wir uns lieber auf die Einkäufer in Florenz.



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