Xavier Clergerie: "Eine Messe darf niemals gleich sein"

Am 30. Juni wird die Messe Who’s Next Prêt-à-Porter Paris ihre Türen am Porte de Versailles öffnen. Das Ereignis ist die zweite Ausgabe der Kombination von zwei Pariser Modemessen. Und es ist vor allem die erste Ausgabe, die Ende Juni, Anfang Juli stattfinden wird, zwischen der Pitti Uomo und der Bread & Butter. Was könnte die Organisatoren und den obersten Chef Xavier Clergerie (einer der Manager von WSN) stressen? Erste und essentielle Information: es ist kein Stress am Horizont zu sehen.


Xavier Clergerie. Foto Pixel Formula

FashionMag: Sie befinden sich 8 Tage vor der Messe. Wie fühlen Sie sich?
Xavier Clergerie: Was soll ich sagen? Alles läuft sehr gut. Ich habe keine große Sorge in Bezug auf das Datum im Juni. Wir werden die gleiche Anzahl an Ausstellern wie letzten Januar haben, ein paar mehr als 2000. Also keine wirklichen Ausfälle aufgrund der vorgezogenen Daten. Gewiss haben wir eine Verringerung der Standgrößen konstatiert, besonders im Bereich „Private“ (das traditionellste Angebot, Anm. d. Red.). Aber die Aussteller dieser Branche haben für gewöhnlich immer große Stände gehabt. Ebenso haben wir natürlich erlebt, dass die Marken dieser Branche befürchten, nicht rechtzeitig fertig zu sein. Außerdem machen sie sich Sorgen auf die Auswirkung der Daten bzgl. der französischen Besucher (der Beginn der Messe überschneidet sich mit dem ersten Ausverkaufswochenende, Anm. d. Red.). Und das sind die Marken, die sehr präsent auf dem französischen Markt sind. Man kann sagen, dass sie sich dazu entschieden haben, einen Test durchzuführen.

FM: Und die kreativen Marken?
XC: Sie waren die ersten, die sich angemeldet haben. Der Juni ist wichtig für sie. Sie sind in Bewegung. Wir sehen die Teams heute in den Flugzeugen, um ihre Kollektionen fertigzustellen. Es sind die Marken, die sich in einer Marktnische positioniert und folglich einen internationalen Kalender haben. In allen Fällen kritisierte jeder die Durchführung der Messen im Juni. Fast niemand erinnert sich heute mehr an die Änderung des Kalenders.

FM: Wie kommunizieren Sie beispielsweise mit potentiellen Besuchern?
XC: Man telefoniert sehr viel. Unsere Agenten (in 30 Ländern, Anm. d. Red.) haben 2000 Leute kontaktiert. In Frankreich haben wir mehr als 5000 Einzelhändler sensibilisiert. Wir haben schon am Ende der letzten Messe die Gäste für diese Juni-Ausgabe eingeladen. Eine Möglichkeit, sich noch mehr einzubringen als gewöhnlich. Wir haben viele Anmeldungen von Ausländern. In Frankreich haben wir einen guten Wiederanstieg. Um ehrlich zu sein, sind wir früh dran mit den Voranmeldungen.

FM: Sie haben die Organisation dieser Ausgabe noch einmal geändert, vor allem in Bezug auf die geografisch verstreuten Sektoren. Warum?
XC: Als erstes müssen Sie wissen, dass es bei WSN eine Regel gibt, und ich funktioniere genauso. Die zukünftige Strategie ergibt sich aus dem heutigen Leben. Es wurde nicht im Voraus geschrieben. Man entscheidet etwas und schaut wie es läuft. Und man macht Fortschritte bzgl. des in-Bewegung-Bringens von Dingen, wenn es notwendig ist. Eine Messe darf niemals gleich sein. Bei der Who’s Next bringen wir jede Saison bewusst Bewegung in unsere Pläne. Ich würde noch weitergehen. Wir suchen sogar die Teppichbodenfarbe aus. Wir haben manche Segmentation wiedergesehen. Der Bereich „Le Cube“, der traditionelle Lederwaren zusammenfasst, zählt schon 80 Marken. Wir haben in der Halle 3, wo sich das kreative Herz im Bereich „Première Classe“ befindet, repositioniert. Aber ganz ehrlich, man sollte nicht auf Teufel komm raus an dieser Platzverteilung festhalten. Ich habe ein altes Beispiel für die, die sich daran erinnern. Die „Groupe des Halles“ (der kreativste Teil der Prêt-à-Porter Paris in den 1980er Jahren, Anm. d. Red.) und ihre kreativen Marken waren in der dritten Etage der Messe platziert. Sie hatte einen enormen Erfolg, weil sie die zu der Zeit wichtigen Marken hatte. Es ist das Angebot, das den Unterschied macht. Man kennt nie das Limit einer Branche oder eines Marktes im Voraus. Unser Ziel ist es, wie auch für den Bereich „Mess Around“, eine Vision zu vermitteln, Ideen für die traditionelle Distribution. Wir glauben an die Multi-Marken-Händler. Und die Messe steht ihnen zu Diensten.

FM: Genau, eine Messe ist in erster Linie für die Multi-Marken-Händler bestimmt. Sie sind gewissermaßen Ihre Kunden… Was denken Sie über ihre Situation?
XC: Ich glaube an die Multi-Marken-Händler. Heute bekommt man eine Fülle von Informationen und Angeboten über das Internet. Dieses Medium erweitert sich zum Handlungsfeld. Angesichts dieser Sache braucht der Konsument einen Leitfaden und einen Rat. Der Händler muss wissen, wie man zum Träumen anregt. Wie eine Messe. Das Gleiche gilt für das Internet, man träumt nicht. Die Messen sollen den Einzelhändlern helfen, dies wiederzuerlangen. Ihnen die Mittel zum Kämpfen zur Verfügung stellen.

FM: Um auf die Kommunikation der Messe zu sprechen zu kommen – Sie haben ein bestimmtes Thema gewählt, dass wir nur auf den Visuals wiederfinden…
XC: In der Tat, wir haben uns für ein mittelalterliches Thema entschieden. Es ist Teil der Rückkehr zur Natur, zur biologischen Landwirtschaft, der Suche nach dem Know-How und auch von sicheren Werten. Wir haben eine Rückkehr der Key Pieces, einen bestimmten Klassizismus. In den verschiedenen Bereichen haben wir auf unsere Weise an der mittelalterlichen Dimension gearbeitet. Es gibt dort aus Strohballen gefertigte Skulpturen, Fähnchen,Banner. Das Ziel lautet, wachzurütteln und die Sinne aufs Maximale zu reizen. Die Messe, die am Porte de Versailles stattfindet, soll ein großes Modeereignis werden – aber mit Mode in all seinen Facetten…



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