Börse Frankfurt-News: Fundamentaldaten finden keine Beachtung

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Marktbericht vom Handel an der Börse Frankfurt

16. Oktober 2008. Die starken Kursschwankungen an den Weltbörsen machen die Händler für interntionale Werte atemlos. Dabei gehen Meldungen der Unternehmen zur aktuellen Berichtssaison unter. Obwohl es Interessantes zu berichten gab, u.a. von Johnson&Johnson oder Ebay.

Die hohe Volatilität und die Unsicherheit an den internationalen Börsen belasten die Kurse der Auslandsaktien. "Wir haben hier aktuell Kursbewegungen, die manchmal nicht mehr nachvollziehbar sind. Die Indizes schwanken 5 bis 8 Prozent am Tag, bei den Wertpapieren sind es teilweise sogar 20 bis 30 Prozent", berichtet Walter Vorhauser von Close Brothers Seydler. Dies gelte nicht für die kleinen Unternehmen, die im Allgemeinen immer eine etwas höhere Volatilität aufweisen, sondern auch für die Bluechips. "Das, was aktuell passiert, ist nicht vergleichbar mit vorangegangenen Krisen. Zudem könne man nicht vorhersehen, was noch alles auf uns zukommt. Es sind daher vor allem kurzfristig orientierte Trader im Markt, die langfristigen Investoren haben sich nahezu vollständig zurückgezogen." Selbst fundamental solide, gewinnträchtige Unternehmen können sich den Verwerfungen an den internationalen Märkten nur schwer entziehen.

Johnson&Johnson übertrifft die Prognosen

Der US-Kosmetik- und Medizinkonzern Johnson&Johnson (WKN 853260) hat die Markterwartungen mit den Zahlen zum dritten Quartal übertroffen und die Gewinnprognose für das laufende Jahr zum dritten Mal erhöht. Der Gewinn lag mit 1,17 US-Dollar je Aktie über 30 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum, in dem 0,88 US-Dollar je Aktie erzielt wurden. Der Umsatz stieg dank dem starken Auslandsgeschäft um mehr als 6 Prozent auf 15,9 Milliarden Dollar. "Das ist schon sehr beachtlich. Was Johnson&Johnson - ganz im Gegensatz zu den Banken - auszeichnet, ist das sehr starke Management, das sehr professionell auf das Konsumentenverhalten reagiert hat", betont Vorhauser. Besonders gut liefen bei dem US-Riesen die Marken in der Sparte Kosmetik- und Körperpflege, wie Neutrogena und Lysterine sowie die Baby- und Kinderpflegeserien Penaten und Bebe. Aber auch das zweitgrößte Konzernsegment Medizintechnik und Diagnostik habe im abgelaufenen Quartal sehr gut zulegen können - insbesondere im Auslandsgeschäft. "Während das Geschäft auf dem Heimatmarkt von Johnson&Johnson leicht zurückgegangen ist, legten die Umsätze international um 14 Prozent zu. Dabei hat das Unternehmen auch vom schwachen Dollar profitiert, der die Ergebnisse zusätzlich angetrieben hat."

In der Pharmasparte sehe sich Johnson&Johnson jedoch beim größten Umsatzbringer Risperdal einem zunehmenden Konkurrenzdruck gegenüber. Für das Neuroleptika, das in der Psychiatrie als Antipsychotikum verwendet wird, seien bereits zahlreiche Nachahmerprodukte auf den Markt gekommen. Die Medizinsparte legte dementsprechend nur unterdurchschnittlich um 0,2 Prozent zu.

Für das Gesamtjahr erhöhte das Management Gewinnprognose von 4,45 bis 4,50 US-Dollar je Aktie auf 4,50 bis 4,53 Dollar. "Trotz der guten Zahlen kann man aber auch dieses gut aufgestellte Unternehmen nicht mehr als sicheren Hafen bezeichnen, da der Markt auch gute Quartalszahlen angesichts der nach wie vor schwerwiegenden Finanzkrise aktuell einfach nicht mehr berücksichtigt. Die Anleger haben das Vertrauen komplett verloren und reagieren gar nicht mehr auf positive fundamentale Nachrichten", fügt Vorhauser hinzu.

Mobilgeräte treiben Intel-Zahlen an

Auch der Halbleiterhersteller Intel (WKN 855681) konnte die Analystenerwartungen mit einer Gewinnsteigerung im dritten Quartal um 5 Prozent auf gut 2 Milliarden US-Dollar übertreffen. Der Umsatz stieg auf über 10 Milliarden US-Dollar, die Bruttomarge liegt mit 59 Prozent über dem angepeilten Ziel von 57 Prozent. "Intel profitiert vor allem von dem hohen Umsatz bei Notebooks, der dreistellig angestiegen ist, sowie die nahezu unbegrenzte Nachfrage nach immer leistungsfähigeren Chips, insbesondere für mobile Geräte. In diesem Segment hat sich der Umsatz um 20 Prozent auf knapp 3,4 Milliarden US-Dollar erhöht", führt der Spezialist aus. Mehr als die Hälfte des Gewinns erziele Intel mittlerweile in Asien. Das Europa-Geschäft habe leicht zulegen können, während das Heimatgeschäft ähnlich wie bei Johnson&Johnson unter der Schwäche des US-Binnenmarktes leide. Die anfänglich starken Kursgewinne von 8 Prozent in Folge der Zahlen seien bei dem Chiphersteller mittlerweile aber ebenfalls wieder verpufft. "Auch hier werden die beständig gesteigerten Gewinne an den Aktienmärkten aktuell nicht honoriert."

Ebay sackt ab

Obwohl Ebay im abgelaufenen Quartal ebenfalls die Markterwartungen geschlagen hat, sackte die Aktie des Online-Marktplatzes nachbörslich um satte 9 Prozent ab. Grund dafür ist eine Gewinnwarnung des Konzerns für das vierte Quartal. "Ebay rechnet nun nicht mehr wie bisher mit 47 Cent je Aktie, sondern veranschlagt für das Schlussquartal nur noch 39 Cent je Aktie. Und auch die Umsatz-Guidance wurde aufgrund der schlechten Konjunktur zurück genommen", berichtet Roland Stadler von der Baader Bank.

Rosneft kämpft mit Liquiditätsengpässen

Wie Walter Vorhauser weiter beobachtet, wird beim russischen Energiekonzern Rosneft (A0J3N5) aktuell deutlich, dass nicht nur die Banken von der Finanzkrise betroffen sind, sondern auch die Industrie mit Liquiditätsengpässen zu kämpfen hat. "Rosneft ist sehr stark von den Verwerfungen an den Finanzmärkten betroffen - einerseits durch die fehlende Liquidität, andererseits aber auch durch den sinkenden Ölpreis. Dadurch ist es zu dramatischen Kurseinbrüchen bei der Aktie gekommen." Die russische Regierung habe unterdessen ein Paket von 9 Milliarden Euro verabschiedet, mit dem Industrieunternehmen, die durch die Finanzkrise in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind, gestützt werden sollen. Dabei sollen Auslandsgeschäfte sowie strategische Projekte durch den Staat finanziert werden. "Rosneft erhält von diesem Kuchen 4,3 Milliarden Euro. Der Kurs konnte sich nach diesen Nachrichten zwischenzeitlich etwas erholen, mittlerweile ging es aber schon wieder bergab."

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© 16.Oktober 2008/Karoline Koch

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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