Handel setzt den Rotstift an - Erste Rabatte gegen Kaufunlust

Berlin (dpa) - Preishammer: Die Kassettenbettdecke für 79 statt 299 Euro, der Kaffeevollautomat für 349 statt 599 Euro. In den Innenstädten haben die Einzelhändler schon auf einige Waren den Rotstift angesetzt. Mit Preisreduzierungen und Rabatten wollen sie den Konsum in Zeiten schlechter Verbraucherstimmung und drohender Rezession ankurbeln.


PARIS, 25 juin 2006 (AFP) -
Nicht nur Textilhändler, auch Möbelhäuser, Parfümerien, Schmuckhändler, Spielwarengeschäfte und Elektromärkte locken mit Preisnachlässen. Die Branchenverbände sprechen allerdings von «ganz normalen, saisonalen Werbeaktionen», die nichts mit der Krise an den Finanzmärkten zu tun haben.

Das angeschlagene Karstadt-Warenhausunternehmen (Arcandor) bietet derzeit bis zu 50 Prozent auf Bettwäsche, Matrazen und einzelne Elektro-Artikel. Beim Kauf einer von 899 auf 399 Euro reduzierten Kaltschaummatraze gibt es zusätzlich noch Gratis eine Flasche Champagner. Der bayerische Möbelhändler Segmüller gewährt bis zu 65 Prozent Rabatt auf seine Möbel. Eine Lederpolstergarnitur kostet beispielsweise 1198 statt 2683 Euro. Die zur Metro gehörende Elektrokette Saturn lockt in einigen ihrer 134 Märkte mit herabgesetzten Preisen bei Digitalkameras und Spielkonsolen.

Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) beobachtet durchaus, dass sich die Kunden «preisbewusster» verhalten. Vor allem größeren Anschaffungen werden derzeit hinten angestellt. Die Branche setze allerdings weiterhin auf das Weihnachtsgeschäft. «Und das wollen sich die Händler nicht durch groß angelegte Rabattaktionen kaputtmachen», betont HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr. «Wer langfristig denkt, kann jetzt gute Schnäppchen machen», heißt es beim Handelsverband Berlin-Brandenburg. Bestimmte Waren werden derzeit rabattiert.

«Der eine oder andere kurbelt jetzt das Wintergeschäft an», betont Jürgen Dax vom Textileinzelhandelsverband. Dies geschehe aber in ähnlichem Umfang wie in den Vorjahren. «Das sind ganz normale Zyklus- Erscheinungen.» Zwar sei das Textilgeschäft in den vergangenen drei Wochen nicht ganz so gut gelaufen. Doch die Ergebnisse hätten immer noch über dem Schnitt der vergangenen fünf Jahre gelegen. «Ob ich mir eine Bluse für 39 Euro kaufe oder nicht, das hat nichts mit dem Desaster bei Lehman Brother zu tun», betont Dax. Sorgen bereite den Unternehmen vielmehr die Panikmache durch Medien und Politik. Für dieses Jahr rechnet die Branche aber nur mit einem bescheidenen Ergebnis - «zwischen einem kleinen Minus und einem kleinen Plus».

Auch die Parfümerien bieten vereinzelt Rabatte. Das sind aber nur jahreszeitliche und keine flächendeckenden Aktionen, heißt es beim Branchenverband. Eine Dämpfung der Konsumstimmung sei schon zu spüren. Bis September seien die Geschäfte aber noch recht gut gelaufen. «Wir wissen noch nicht, wie sich die Finanzkrise auf den Konsum auswirken wird», sagt Thorsten Rolfes von der Modehandelskette C&A. In den 430 Filialen gebe es derzeit vereinzelt Preisnachlässe zwischen 30 und 50 Prozent. «Das sind aber keine Reduzierungen gegen schlechte Stimmung», betont Rolfes.

Gut acht Wochen vor Weihnachten gibt sich der in Zweckoptimismus schon lange geübte Einzelhandel weiterhin zuversichtlich. Zwar fürchten laut ifo-Institut viele Unternehmen, dass die Verbraucher ihr Geld im Weihnachtsgeschäft lieber zusammenhalten. Doch laut HDE hat die Finanzkrise den Einzelhandel noch nicht erreicht.

Auch das Marktforschungsinstitut GfK rechnet mit einem leichten Zuwachs des privaten Verbrauchs. «Wir erwarten, dass der Konsum bescheiden zum Wachstum beitragen kann», sagt Gfk-Chef Klaus Wübbenhorst. Es gebe immer noch viele Bürger, die sich etwas leisten können. Daher sehe er auch nicht schwarz für das Weihnachtsgeschäft.

Positiv dazu beitragen dürfte die weiterhin zurückgehende Inflation. Besonders sinkende Energiepreise kämen den Geldbeuteln der Verbraucher zugute, betont der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung DIW, Christian Dreger. Er erwartet einen stetigen Rückgang der Inflationsrate bis Dezember. Dann bleibe den Konsumenten allmählich auch mehr Geld in der Tasche.

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