Ein «Knaller»? - Messe Bread & Butter in Tempelhof

B&B
Berlin(dpa) - Wo früher die Rosinenbomber landeten, geht es heute um die richtigen Turnschuhe für den nächsten Sommer. «Ich fühl' mich gut, ich steh' auf Berlin», dröhnt der alte Hit von Ideal über das Rollfeld. Die Modemesse Bread & Butter hat am Mittwoch nach monatelangem Streit ihre Premiere auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof gefeiert. Die Messe ist Teil der fünften Berliner Modewoche. Bis zum Wochenende wird mit 120 000 Fachbesuchern und 1600 Ausstellern gerechnet. Auf der VIP-Liste: Justin Timberlake, Diane Kruger, Sienna Miller und Boris Becker.

In den Hangars von Tempelhof posieren Models in Kätzchenunterwäsche, eine Armee von Gartenzwergen ziert einen Stand. Beim Label Ed Hardy lassen sich Besucher mit einem schwarzen Lamborghini fotografieren. Draußen am Rollfeld servieren Kellnerinnen in Trachten (in Berlin meist ironisch gemeint) Weißwürste und Latte Macchiato im «Kaiser Beer Garden».

Die Bread & Butter ist etwas für Leute, die eigentlich lieber in Clubs als auf Messen gehen. 550 Aussteller aus aller Welt sind dabei, darunter Levi's, Replay, Woolrich, Birkenstock, Bench, Converse und G-Star. In «Streetwear» gilt die Messe als führend. Begrüßt werden die Besucher mit einem Gong und Hardrock-Klängen in der ehemaligen Schalterhalle. Wer mag, kann auf einer Tour den Schauplatz der Luftbrücke erkunden.

Geschichte und luftiger Industriecharme, das kommt an. «Wir mögen es sehr», sagt Raquel Ribeiro vom portugiesischen Jeanshersteller Salsa über den neuen Ort der Messe. «Sehr harmonisch und international», lautet das Urteil bei Adidas. Beim Label Blutsgeschwister ist leise Kritik zu hören. «Ich finde es zu groß«, sagt Designerin Karin Ziegler. Bei einem Rundgang durch die Hangars kann man mehrere Kilometer zurücklegen.

Die Mode im Sommer 2010? Rosafarbene oder zerfetzte Moonwashed- Jeans und hohe Turnschuhe in Neongrün sind nicht verkehrt. Auch Jeans-Overall und Pumphose sind wieder da. Der Tattoo-Rockabilly-Look ist immer noch stark, selbst auf Bademänteln finden sich Totenköpfe.

Während die dreitägige Bread & Butter mehr etwas für Einkäufer ist, schauen die Modekritiker bei der parallel laufenden Fashion Week auf dem Bebelplatz ganz genau hin. 33 Laufstegschauen stehen auf dem Programm, so viele wie noch nie: Michael Michalsky, Boss Orange, Kaviar Gauche, Lala Berlin, Custo Barcelona und Strenesse sind darunter. Mittwochabend wollte das schwer angeschlagene Modeunternehmen Escada mit einer Retrospektive auf der Museumsinsel der Krise trotzen. Wolfgang Joop lädt bei seiner Fashion-Week- Premiere zur Präsentation in seine Wunderkind-Boutique.

Um die Bread & Butter hat es viel Streit gegeben, weil sie den seit Herbst stillgelegten Flughafen über zehn Jahre zwei Mal jährlich nutzen darf. Andere Tempelhof-Interessenten sehen sich benachteiligt. Der Senat und die Tourismusbranche sind hingegen dankbar, dass die Messe aus Barcelona nach Berlin zurückgekehrt ist.

Am Dienstagabend ließ es die schwedische Band Mando Diao bei der Eröffnungsparty krachen. Regierungschef Klaus Wowereit (SPD) begrüßt die Gäste bei der Feier zur Rückkehr der Messe in (ausbaufähigem) Englisch. Und fügt hinzu: «Es wird ein Knaller werden.» Wowereits Outfit: Jeans, offenes Hemd, Jackett. «Urban Wear» heißt das im Fachjargon.