Pariser Prêt-à-Porter: Licht am Ende des Tunnels

Paris (dpa) - Die Pariser Designer, das zeigen die Prêt-à-Porter- Schauen für Frühjahr/Sommer 2010, sehen wieder Licht am Ende des Tunnels. Dai Fujiwara zum Beispiel, Chefdesigner bei Issey Miyake, spielte bei seiner Schau am Freitag seine Stärken aus: Kunstvoll kombinierte er leuchtende Farbkombinationen - ornamentale Drucke, Poppiges, Abstraktes in Matisse-Blau, Feuerrot, Violett oder Grün. Die Entwürfe umwehten wie Seidentücher die Körper der Models. Ähnliches zeigten auch schon Designer wie Christophe Guillaume und Gaspard Yurkiviech - kräftige Farben und eher heitere, wahrhaft frühlingshafte Entwürfe waren in Paris zu sehen. Krise adieu.


Akris - Foto: PixelFormula

Die am Mittwoch begonnenen Schauen haben zum Wochenende an Fahrt aufgenommen. Nach unbekannteren Avantgardisten zeigten am Donnerstag mit Balenciaga, Balmain und Nina Ricci schon einige Kultdesigner ihre Entwürfe. Klingende Namen wie Dior, Lanvin und Gaultier folgten.

«Casting Akris: 5. Etage» steht auf dem Schild am Eingang eines eindrucksvollen Stadthauses im 16. Bezirk von Paris. Oben herrscht freundliche Betriebsamkeit. Die Schweizer Modemarke Akris bereitet sich auf ihr Defilee am Sonntag bei den Pariser Prêt-à-Porter-Schauen der Damen für Frühjahr/Sommer 2010 vor. Die Models stellen sich beim Casting vor, die Kleider hängen durchnummeriert auf Ständern, die Accessoires werden noch diskutiert. Akris kann mit seinem Termin genau in der Mitte der Modewoche sehr zufrieden sein. Zumal es eine Neuerung gibt: Erstmals werden die Schweizer auch eigene Handtaschen vorstellen.

Vor wenigen Monaten hat Akris die deutsche Taschen-Manufaktur Comtesse gekauft. Und mit deren Know-how in Sachen Rosshaarverarbeitung und dem modernen Design von Akris-Chef Albert Kriemler ist eine federleichte superschicke Taschenlinie entstanden, die dank des ungewöhnlichen Materials ein neues Bild ergibt. Die einflussreiche Chefredakteurin der amerikanischen «Vogue», Anna Wintour, war schon im Showroom, um sich die Taschen anzusehen - eine Art Ritterschlag für jedes Label in der Top-Liga.

Die Zeichen stehen auf Aufbruch: Nach dem Katzenjammer rund um die Krise herrscht zu Beginn der Modewoche in Paris vorsichtiger Optimismus. Man wagt wieder - siehe Akris - Neues. Auch die ersten Schauen sind gut gelaufen, wie bei Balenciaga mit futuristischen superscharf geschnittenen Outfits, schmalen Miniröcken und einem guten Mix aus mattem Leder und Leuchtfarben. Der Motor springt an. Zumal interessante junge Designer dabei sind, etwa Marco Zanini bei Rochas, der sanfte frische Entwürfe zeigte in neuen Farbharmonien.

Bei Nina Ricci gab der Brite Peter Copping am Donnerstag sein Debüt. Das Traditionshaus hat turbulente Zeiten hinter sich, und Copping blieben nur wenige Monate, eine Kollektion zusammenzustellen. Mit Lingerie-Elementen, kleinen Rüschen, schwarzer Spitze und zarten Seidenkleidern in Pastelltönen schlug er sich wacker.

Der Designer Martin Grant lud am Freitag zu einer kleinen Präsentation seiner Entwürfe in die eigenen Räume ein. Schon in der vergangenen Saison gab es keine Schau mehr bei ihm, doch seiner Mode kommt es letztlich zugute. «Natürlich haben wir auch aus Kostengründen auf ein Defilee verzichtet, aber eigentlich kommt dies meiner Herangehensweise an die Mode sehr entgegen», sagte der Australier der dpa. «Und die Leute lieben es. Sie können die Stoffe anfassen, die Details sehen.»

Grant startete seinerzeit mit einem kleinen Atelier. Die liebevolle Verarbeitung und die Kostbarkeit des Materials zeichnen nach wie vor seinen Stil aus - in dieser Saison etwa setzt er auf asymmetrische Raffungen und Drapierungen bei fließenden Kleidern aus Crêpe de Chine und Seidentaft in Schwarz, Messing, Dunkelblau oder Rot. Grant macht vor allem Abendmode. «T-Shirts können auch andere machen. Ich konzentriere mich lieber auf meine besondere Stärke.»