Mailänder Modewoche: Die große Show der Eleganz


Jil Sander (Bild Pixel Formula)
Mailand (dpa) - Die Mode entdeckt ihre alten Tugenden: Stil, Eleganz und Klasse stehen wieder ganz hoch im Kurs. Was Mailands Designer bislang auf der noch bis Dienstag laufenden Milano Moda Donna an Trends für die Saison Frühjahr/Sommer 2012 präsentierten, schmeichelt der Weiblichkeit. Frauen sollen einfach schön aussehen.

Schönheit. Dieses Wort steht nicht zufällig gleich am Anfang des Begleittextes der neuen Kollektion von Jil Sander. Mit jeder Arbeit, die Raf Simons für das in seinem Ursprung deutsche Label abliefert, etabliert sich der Belgier immer mehr als einer der wichtigsten Designer der Gegenwart. So war es auch am Samstag. Da schritten die Models in weißen, über das Knie reichenden Etui- und Mantelkleidern über den Laufsteg und füllten die Theorie mit Leben. Selbst die transparenten Einsätze enthüllten nicht mehr als eine Ahnung.

Beim reinen Weiß bleibt es nicht. Große, aber reduzierte Paisley-Muster in teils kräftigen, teils ruhigen Farben bringt Raf Simons oft auf kompletten Outfits unter. Motive von Picasso überträgt er als Intarsien auf Strickpullover. Doch weil das Saubere und Gepflegte, das der neuen Jil Sander-Kollektion innewohnt, auch schnell spießig wirken kann, sorgt Simons immer wieder für Brüche. So gibt es zum Beispiel Schnürstiefel in Lack, hier einen überraschenden Schlitz, dort ein markantes Dekolleté.

Wie unerlässlich solche Elemente sind, bewies zu Beginn der Mailänder Modewoche bereits Miuccia Prada. Erst durch Kontraste entsteht eine moderne Aussage, wenn man sich aus vergangenen Epochen bedient. Bei Prada waren es die 1950-er Jahre. So zuckersüß ihre Frauen in den schwingenden Röcken und den floral bestickten Mänteln auch aussahen, am Fuß trugen sie Schuhe mit Flammendetails oder nachgebildeten Rücklichtern eines Cadillacs. Mit Gespür für Ironie würzte auch das Designerduo von Frankie Morello seine Mode und druckte italienische Ikonen wie das Kolosseum oder den schiefen Turm von Pisa auf T-Shirts und Kleider.

Vor allem die 50-er, die späten 40-er und die 20-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts sind es, die der neuen Mailänder Mode eine zeitliche Einordnung geben. Es ist auch ein Abgesang auf die Schamlosigkeit, die im Berlusconi-Italien das Frauenbild vereinnahmt hat. Man findet diesen Hang zur aufreizenden Pose zwar noch auf einigen Laufstegen, indes: Er bleibt eine Randerscheinung.

Eleganz und Raffinesse, diese Begriffe bestimmen auch die kleine Sonderedition, die Italiens derzeit vielleicht talentierteste neue Designer Tommaso Aquilano und Roberto Rimondi für das Label Piazza Sempione entwarfen. Und auch hier gibt es gekonnt inszenierte Brüche. Ein zarter Plissee-Rock findet zum Beispiel Halt in einem Oberteil aus Leder.

In der Mode von Emporio Armani waren es die wippenden Röcke, Tops und Kleider, die der Kollektion eine sehr feminine Prägung gaben. Für die Modernität stehen hier Accessoires aus PVC oder Plexiglas. Das Florentiner Modehaus Emilio Pucci hingegen fand seine Inspiration bei Brigitte Bardot und im Saint-Tropez der 1950-er Jahre. Trägerkleider, Bermudashorts und in der Hüfte geknotete Blusen bestimmten die Szenerie der Show am Samstagabend.

Am Sonntag bei Marni schließlich wurde der Unterrock sichtbarer Teil der Mode. Fast durchgehend verlängerte er die in A-Linie geschnittenen Kleider und Röcke optisch bis auf Kniehöhe. Consuelo Castiglioni, die Designerin hinter der Marke, ist bekannt für ihre kunstvollen Entwürfe. Grafische Drucke, florale Spitzenoptiken, kontrastierende Kragen und von Pailletten unterwanderte Strickeinsätze geben auch dieser Kollektion eine sehr individuelle Note.